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Die besten Zeltheringe: worauf es wirklich ankommt

Reinier Tijssen Reinier Tijssen 7. September 2026 4 Min. Lesezeit
Die besten Zeltheringe: worauf es wirklich ankommt

Es gibt keinen besten Zelthering – nur den, der zu deinem Untergrund passt. Vier Kriterien, an denen du gute von schlechten unterscheidest, und drei Fälle, in denen du bei mir nicht kaufen solltest.

Ich verkaufe Zeltheringe. Das solltest du wissen, bevor du weiterliest.

Trotzdem finde ich die Frage „Was sind die besten Zeltheringe?“ falsch gestellt. Es gibt keinen besten Hering. Es gibt nur den Hering, der zu deinem Untergrund passt – und ein Hering, der auf der Wiese perfekt ist, ist auf Fels der schlechteste den du dabeihaben kannst.

Was es aber gibt: Kriterien, an denen du einen guten von einem schlechten Hering unterscheidest. Die stehen hier, samt der Frage, wann du bei mir nicht kaufen solltest.

Erst mal: wir reden alle vom Gleichen

Dasselbe Ding heißt je nach Region anders. Hering, Zelthering, Erdnagel, Zeltnagel – und in Österreich und Süddeutschland sagt man Zeltpflock. Gemeint ist immer das Teil, das dein Zelt am Boden hält.

Ich sage Hering. Wenn du nach Zeltpflock oder Erdnagel suchst, bist du hier trotzdem richtig.

Die vier Kriterien, auf die es ankommt

1. Passt die Form zum Untergrund?

Das ist mit Abstand das Wichtigste, und die meisten Kaufberatungen fangen mit dem Material an statt hiermit.

Weicher Boden braucht Fläche. Sand, Dünen und Schnee halten nichts, was dünn ist. Hier gewinnen breite Sandheringe mit gebogenem Profil.

Normaler Campingboden – Gras mit Erde darunter – ist das einfachste Terrain. Ein Y- oder V-förmiger Erdnagel greift hier hervorragend.

Harter Boden braucht das Gegenteil: schmal und massiv. Ein Felshering oder Zeltnagel ohne Profil dringt dort ein, wo ein breiter Hering abprallt.

Ein Hering, der zum Boden passt, schlägt einen teuren Hering, der es nicht tut. Jedes Mal.

2. Biegt er sich, oder bricht er?

Ein guter Hering verbiegt sich, wenn er überlastet wird. Das klingt wie ein Nachteil, ist aber genau richtig: du merkst es, du biegst ihn zurück, du machst den Urlaub fertig.

Kunststoff bricht ohne Vorwarnung. Es hält, hält, hält – und dann sind es zwei Teile, meistens nachts. Mehr dazu in Holzheringe: wann sie sinnvoll sind, wo dasselbe Problem beim Splittern auftritt.

3. Bekommst du ihn wieder heraus?

Wird fast nie geprüft und ärgert am meisten. Ein Hering ohne Griff, ohne Öse und ohne Schlaufe ist am Abreisetag ein Problem.

Deshalb hat jeder meiner Heringe einen PegPull®: eine Schlaufe, die gleichzeitig als Leinenspanner funktioniert. Aber auch eine simple Kordel tut es. Hauptsache, es gibt etwas zum Ziehen.

4. Siehst du ihn im Dunkeln?

Ein blanker Metallstift im Gras ist unsichtbar. Das führt zu zwei Dingen: du verlierst ihn, und jemand stolpert über deine Abspannung.

Reflektierende Kordeln lösen beides. Es gibt auch beleuchtete Heringe mit LED – die halte ich für eine Lösung für ein Problem, das reflektierendes Material schon besser löst, ohne Batterie.

Und das Material?

Kommt erst an fünfter Stelle, nicht an erster.

Stahl ist unkaputtbar und schwer. Wenn du mit dem Auto fährst und Gewicht keine Rolle spielt, ist ein Stahlnagel eine völlig vernünftige Wahl. Er rostet.

Aluminium ist der Kompromiss, der für die meisten Camper aufgeht: leicht, stark genug, rostfrei. Ich nutze 7075-T6, dieselbe Legierung wie im Flugzeugbau. Zu den Aluminium-Heringen.

Titan ist steifer als Aluminium bei gleichem Gewicht und kostet mehr. Sinnvoll, wenn du auf Gramm achtest oder regelmäßig auf hartem Boden stehst. Zu den Titan-Heringen.

Kunststoff ist das, was deinem Zelt beilag. Siehe Punkt 2.

Wann du nicht bei mir kaufen solltest

Ich finde, das gehört in so einen Artikel.

Wenn du einmal im Jahr auf einer Wiese stehst und es nie windig ist: dann reichen die Heringe aus deinem Zeltbeutel völlig. Kauf lieber ein besseres Schlafmatte.

Wenn du wirklich nur auf Sand stehst und die Heringe danach nie wiedersehen willst: dann sind die Holzheringe vom Inselsupermarkt günstiger und tun in Sand ihren Job.

Wenn du Schraubheringe suchst: die verkaufe ich nicht. Sie halten unter bestimmten Bedingungen hervorragend, aber sie haben deutliche Nachteile, die ich in diesem Vergleich aufgeschrieben habe.

Was ich mitnehmen würde

Wenn ich nicht weiß, wo ich lande – und das ist meistens der Fall – nehme ich zwei Sorten mit: einen Satz Erdnägel für Gras und einen Satz massive Felsheringe für alles, was härter ist. Genau dafür gibt es die Sparsets.

Dazu einen Hammer, längere Abspannleinen als beiliegen, und ein paar Heringe mehr als rechnerisch nötig.

Der kürzeste Weg zur Antwort

Wenn dir das alles zu viel ist: die Kaufberatung stellt vier Fragen zu deinem Zelt und deinem Untergrund und sagt dir dann, was ich mitnehmen würde. Dauert eine halbe Minute.

Und wenn du unsicher bist: schreib mir. Ich antworte selbst, meistens innerhalb eines Werktags – auch wenn die Antwort lautet, dass du nichts kaufen musst.

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Reinier Tijssen, Gründer von Haringboer

Geschrieben von

Reinier Tijssen

Produktdesigner & Gründer von Haringboer®

Entwirft seit 2013 Zeltheringe, die nicht verbiegen, nicht verloren gehen und nicht an den Fingern ziehen. Arbeitet von Zwolle aus an cleveren Camping-Tools, gemeinsam mit seinem Hersteller und Studierenden.

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