Du kaufst ein Zelt. Du machst es zu Hause auf. Und in einem Tütchen liegen zwölf Plastikheringe, meistens orange oder grau.
Kaum jemand fragt sich, warum. Schade, denn die Antwort verrät dir genau, wie viel Vertrauen der Hersteller in sie hat.
Warum sie überhaupt dabei sind
Zwei Gründe, und keiner davon hat mit dir zu tun.
Versandgewicht. Ein Zelt muss in einen Karton passen und im Transport so leicht wie möglich sein. Zwölf Kunststoffheringe wiegen fast nichts. Zwölf aus Metall schlagen sofort zu Buche.
Herstellungskosten. Ein Kunststoffhering kostet in der Produktion ein paar Cent. Bei einem Zelt für zweihundert Euro ist das nichts – aber auf hunderttausend Zelte gerechnet ist es richtig Geld.
Die Heringe sind also nicht dazu da, dein Zelt zu halten. Sie sind dazu da, dass der Karton vollständig ist.
Wann sie völlig ausreichen
Fairerweise: unter den richtigen Bedingungen tun sie ihren Job.
Kunststoffheringe sind oft ziemlich dick und manchmal profiliert, was bedeutet, dass sie in weichem, steinfreiem Boden durchaus Halt finden. Eine gemähte Wiese, windstilles Wetter, eine Nacht – kein Problem. Sie rosten nicht und sind billig zu ersetzen.
Wo es schiefgeht
Sie biegen sich nicht, sie brechen. Das ist der entscheidende Unterschied zu Metall. Ein Aluminiumhering, der zu viel abbekommt, verbiegt sich – ärgerlich, aber du kannst ihn zurückbiegen und die Saison zu Ende bringen. Kunststoff gibt keine Warnung. Es hält, hält, hält – und dann sind es zwei Teile. Meistens nachts, meistens wenn es bläst.
Ein Stein reicht. Du schlägst, spürst Widerstand, schlägst fester. Die Spitze zersplittert. Jetzt steckt ein halbes Stück Plastik im Boden, das du nicht mehr herausbekommst.
Kälte macht sie spröde. Bei Frost nimmt die Schlagzähigkeit deutlich ab. Wintercamping und Kunststoff vertragen sich schlecht.
UV macht sie spröde. Liegen sie ein paar Saisons in der Sonne, verändert sich das Material. Ein Hering, der letztes Jahr hielt, bricht dieses Jahr.
Was du mit ihnen machen kannst
Wirf sie nicht weg. Im Ernst.
Heb sie als Reserve auf oder nutz sie für Dinge, die nicht kritisch sind: die Bodenplane, ein Windschutz, der Rand eines Vordachs. Dafür sind sie hervorragend, und du sparst dir deine guten Heringe für die Punkte, auf die es ankommt.
Wann du ersetzen solltest
Sobald einer dieser drei Punkte zutrifft:
- Du weißt vorher nicht, auf was für Boden du stehst.
- Du bleibst länger als ein paar Tage.
- Es ist Wind angesagt.
Dann willst du Heringe, die zum Untergrund passen: Erdnägel aus Aluminium für Gras und Lehm, Felsheringe für Stein und Schotter, und Sandheringe für Strand und Schnee.
Und wenn du nicht weißt, wo du landest? Dann ist ein Sparset mit zwei Sorten die sicherste Wahl. Oder mach die Kaufberatung – vier Fragen und du weißt es.